European paddle feast

 20 Mai 2004

Auch dieses Jahr fand über Himmelfahrt das Internationale Kano Symposium statt, allerdings unter dem Namen european paddle feast. Der neue Name war vom Initator und Alleinveranstalter Marc-Jan Dielemans trotz bester Absichten vielleicht nicht so glücklich gewählt  (mal abgesehen davon, dass „feast“ soviel wie Festbankett bedeutet, einige also vielleicht eine schmackhafte Paddelmahlzeit erwarteten), so dass vielen der Bezug zum bereits bekannteren Kano Symposium schwer viel. Aber auch unter dem neuen Namen war das Treffen rundrum gelungen! Silke und ich waren zum ersten Mal dabei. Nachdem wir uns etwas mühsam das Registrierungsformular mit dem Programm besorgt hatten, verhieß der Name Mark Molina freestyle Prominenz. Angekündigt waren Instruktionen und Vorführungen im Grönland Kayak, auf das Mark umgestiegen ist. Sicher würden wir ihm aber auch Tipps zu freestyle (vielleicht sogar Tandem freestyle) entlocken können...Dieses Jahr  fand das Treffen erstmalig in Oost Maarland statt, einem Freizeitgelände südlich von Maastricht. Das Paddelrevier ist ein See, hervorgegangen aus einer Tagebaugrube, mit Verbindung zu einem Kanal der Maas. Nach etwas mühseliger Anfahrt (nie ohne Karte auf die Routenbeschreibung aus dem internet vertrauen !) trafen wir am Donnerstag Mittag ein. Für uns stand eine schöne, baumumstandene Zeltwiese am Wasser zur Verfügung, von dem anderen Aktivitäten des Parks bekam man nicht viel mit. Mark-Jan begrüßte alle Teilnehmer herzlich und gab erste Informationen zu Ablauf.  Wir waren sehr erstaunt über die kleine Gruppe von ca. 45 Leuten, hatten wir doch einen großen Andrang erwartet. ACA Instrukteur Jörg Wagner teilte uns gleich mit, dass Mark Molina leider aus Krankheitsgründen unmittelbar vorher absagen musste.canadian.jpg (235870 bytes) Erstmal waren wir etwas enttäuscht. Da aber auch Jörg als freestyle und canadian style instructor zur Verfügung stand, sollte keine Langeweile aufkommen. Der weitere „Lehrkörper“ bestand aus Neil Fuller, Bob Ottley, Richard Scullard und Bernard O`Connor vom britischen BCU sowie weiteren Instukteuren, die eigentlich ohne Lehrauftrag dort waren. Trotzdem gab es auch  von letzteren viele lehrreiche Tipps. Nach der Begrüßung durch Mark-Jan begann Bob mit britischem Humor, die Ausbildungsarten des BCU zu erläutern. Neil führte auf dem Wasser entsprechend die verschiedenen Evolutionstadien des Paddlers vor. In England werden im Kurssystem für die Paddelfähigkeiten 1 – 5 Sterne vergeben. Eine Einteilung in Flach- und Fließwasser gibt es nicht, für 3 Sterne z. B. muss auch Fließwasser mit treideln und staken beherrscht werden. Anschließend  folgte durch Jörg eine Erklärung des freestyle und canadian style paddling, auf dem Wasser fachgerecht umgesetzt von Gerhard Trunk. Hier wurde schon ein Unterschied zwischen der eher filigranen ACA Paddelmanier und dem rustikaleren Stil der englischen BCU deutlich. Den Rest des Tages verbrachten wir mit eigenen freestyle Versuche, wegen des Windes und der Bootswellen – Himmelfahrt herrschte reger Verkehr auf dem See - nicht so ergiebig. Gegen Abend entdeckte dann aber jemand, dass die Insel im See eigentlich aus zwei langgestreckten Inseln bestand, die eine kleine Lagune umgaben. Mit (hoffentlich freundlicher) Genehmigung der anwesende Haubentaucher und Karpfen wurde die Lagune jetzt playspot für die schutzbedürftigeren Canadiertechniken. Der Abend wurde am Lagerfeuer beendet mit einer Fragestunde an die Experten. Die Erwachsenen trauten sich natürlich nicht, ein Kind musste die erste Frage stellen:  Warum dreht sich das Boot, wenn wir zu zweit paddeln ? Die Instruktoren legten sich dann mit körperlichen Einsatz ins Zeug, die Sache zu erklären. Viele Fragen kamen nicht mehr zu Stande, so wurde anschließend noch verschiedene Paddel vorgestellt und erläutert. Die englische Fraktion lag hier gewichtsmäßig vorne mit ihren robusten Paddeln, den Schaft mit lackierten Wicklungen zum Hebeln geschützt. Dass das Haupteinsatzgebiet steinige Flüsse sind, ließ sich am Erhaltungszustand erahnen. Im Gegensatz dazu standen die traditionellen Paddel von Jörg, die man sich eher an die Wand hängen möchte, als sie zu gebrauchen. Trotzdem sind sie bei entsprechendem Einsatzgebiet absolut alltagstauglich.

21 Mai 2004

Am nächsten Tag sollten die Kurse beginnen, jeder konnte sich am Vorabend in entsprechende Listen eintragen. Die Planung hatte sich aber nach 5 Minuten wieder erledig und das ganze wurde individuell abgesprochen. Bob und Neil fuhren mit einigen Teilnehmer ca. eine halbe Stunde zur Wilden Maas , wo Fließwassertechiken, Rettungsübungen, Staken und Treideln auf dem Programm stand. Bernard nahm sich der Segelbegeisterten an. Hier gab es fast normale Canadier mit Hilfssegel, speziell ausgerüstete Canadier mit Hecksteuer und Seitenschwert und Bernards Stolz, die Gypsy Queen – ein Holzboot mit zwei outriggern und 2 Mast Besegelung. Weiterhin gab`s canadian style paddling und eine Einführung in freestyle. Jörg machte außerdem auf Wunsch Einzelunterricht im Tandem. Wir hatten inzwischen unter den Teilnehmern das holländische Tandem freestyle Paar Annemieke und Wouter Kieboom entdeckt und angesprochen. Obwohl sie nicht als Instruktoren dort waren, waren sie bereit, uns etwas zu zeigen. So haben wir doch noch unseren Einstieg in das Tandem-freestyle-paddeln bekommen und waren total begeistert! Annemieke und Wouter schienen sich auch zu freuen, Gleichgesinnte zu finden.freestyle2.jpg (229615 bytes) Abends am Lagerfeuer führte Eugenne Bahlez vor, wie man´s auch ohne Feuerzeug warm bekommt. Mit Stahl, Flintstein und verkohltem Leinen erzeugte er schnell eine Glut, mit der vorbereiteter Zunder in Brand gesetzt wurde. Es sah ganz leicht aus, beim Nachmachen zeigte sich aber schon, dass ein bißchen Übung erforderlich ist. Passend zur Stimmung sorgte eine Teilnehmerin mit dem Digeridoo für musikalische Unterhaltung.digeri.jpg (223605 bytes) Anschließend ging das Instrument wie eine Friedenspfeife rum und jeder Freiwillige durfte mal versuchen, lustige Töne zu erzeugen.

22 Mai 2004

Den nächsten Tag verbrachten wir hauptsächlich damit, unsere frisch gelernten Tandem freestyle Manöver zu üben, unterbrochen mal durch ein bißchen canadian style oder Wildwasserboot austesten, während sich die anderen in einer der vielen  anderen verschiedenen Richtungen des Paddeln und Kanusegelns ausprobierten. Wer Hilfe und Anleitung wünschte, konnte sie jederzeit bekommen. Sonnabends hatte sich das Fernsehen angesagt, da wurde das Lager erstmal etwas aufgeräumt und die Boote schön ausgerichtet. Obwohl nicht vorbereitet, machten Annemieke und Wouter noch eine freestyle Vorführung zu Musik, die mit viel Applaus bedacht wurde.freestyle1.jpg (221503 bytes) Den letzten Abend beim powwow bat Mark-Jan um Tipps und Anregungen, was zu verbessern wäre. Neil schlug gleich vor, dass sich ein paar mehr Leute an der Organisation beteiligen könnten, um Mark-Jan zu entlasten. Hier fanden sich schnell Freiwillige. Das die Besucherzahlen im Vergleich zu den letzten Jahren zurückgegangen waren, führte man hauptsächlich auf die Namensänderung und die eher dünne Information über das Treffen zurück. Hier soll unter anderem dieser Bericht Abhilfe schaffen.

23 Mai 2004

Am Sonntag gab es neben dem Paddeln noch die Möglichkeit, Leckereien wie Ahornsirup oder Paddelzubehör zu erwerben, bevor wir uns mit etwas Abschiedsschmerz auf den Rückweg machen mußten.

  Fazit:

Für einen Preis von 59 €/Person für 4 Tage wurde uns sehr viel geboten: wir hatten die Möglichkeit, verschiedene Boote und Paddel zu paddeln, an diversen Workshops teilzunehmen und viele neue Dinge zu entdecken . Die Location war gut gewählt und von Mark -Jan und seiner Partnerin Alexandra mit viel Engagement ausgestaltet worden (Feuerstelle, überdachte Sitzgelegenheiten, gegen Aufpreis „Halbpension“ und eine Bar).lager1.jpg (304918 bytes)  lager2.jpg (248722 bytes)  lager3.jpg (284203 bytes)Wir trafen freundliche, entspannte und hilfsbereite Menschen und auch die Verständigung bereitete keine Schwierigkeiten. Besonders schön: egal ob blutiger Anfänger oder erfahrener Paddler - für jeden war etwas dabei! ...oder um es mit Jan Mark zu sagen: „Everybody is more than welcome!“

  Wir wissen jedenfalls, wo wir nächstes Jahr das Himmelfahrtswochenende verbringen werden:

in Holland!

Hope to see you there!

Autor: Andreas Reitner

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